Dialog

Vorbereitung auf den Arztbesuch – das Gespräch

Hast du alle Unterlagen für den Arzttermin zusammen? Dann kannst du dich auf das Gespräch selbst vorbereiten. Damit stellst du sicher, dass du alle Themen ansprechen kannst, die dir wichtig sind. Dein Arzt wird dich jetzt als Erwachsenen behandeln. Das bietet viele Chancen, bringt aber auch viel Verantwortung für dich mit sich. Mit jedem Arztbesuch wirst du etwas dazulernen. Bleib mutig!

Überleg dir, was du sagen oder fragen möchtest und halte es auf einem Notizzettel fest. Notiere, wie es dir in letzter Zeit körperlich und seelisch ging. Auch lebensverändernde Phasen sind wichtig: Ziehst du um? Fängst du an, zu studieren? Machst du eine Ausbildung und verändern sich daher deine Bedürfnisse? Wenn es etwas gibt, das du gerne bei deinem Arzt ansprechen möchtest, schreib es auf. Dabei kannst du dir auch notieren, wie du es ins Gespräch einbringen möchtest.
Das ist die Einstiegsfrage bei jedem Arzttermin. Mach dir Gedanken darüber, was du darauf antworten möchtest. Wenn du einfach nur sagst, dass es dir gut geht, dann ist der Termin oft in fünf Minuten vorbei. Erst im Nachhinein fällt dir dann ein, dass du immer wieder diese nervigen Schmerzen im Sprunggelenk hattest. Deswegen antworte ehrlich und nenne alle Punkte von deinem Notizzettel schon mal stichwortartig. So steckst du den Rahmen für den Termin ab.
Vertraue auf deine Erfahrungen und deinen Körper. Jedes Medikament kann Nebenwirkungen mit sich bringen. Wichtig ist, die Reaktion auf ein Medikament zu beobachten und alles zu notieren. Wenn du feststellst, dass dir ein Medikament nicht guttut oder die Nebenwirkungen dich massiv einschränken – sprich mit deinem Arzt! Wichtig: Dein Arzt kann dir nur helfen, wenn er von deinen Problemen weiß. Du muss nichts „aushalten“, du solltest direkt sagen, wenn du Schwierigkeiten mit deiner Therapie hast.
Wenn dein Arzt dir ein Medikament verschreiben möchte, das du nicht nehmen möchtest oder umgekehrt, sprich es an. Bleib sachlich und erkläre, warum du ein bestimmtes Medikament nehmen oder nicht nehmen möchtest. Du kannst mit deiner Erfahrung oder – wenn du dich schlau gemacht hast – mit wissenschaftlichen Fakten argumentieren. Dabei spielt auch eine Rolle, ob du besser mit einem Pen oder mit einer Fertigspritze umgehen kannst. Und ob du dich seltener spritzen oder die Dosis lieber auf mehrere Termine aufteilen möchtest. Du kennst dich und deinen Körper am besten, also teile deine Erfahrungswerte mit deinem Arzt.
Familienplanung und Rheuma können heutzutage glücklicherweise gut funktionieren. Die Erkrankung ist kein Ausschlusskriterium für Kinderwunsch und Schwangerschaft. Mittlerweile gibt es viele Möglichkeiten, über die du dich unbedingt vorher mit deinem Arzt beraten solltest. Scheu dich nicht, deinen Arzt bereits frühzeitig auf dieses Thema anzusprechen, sobald es für dich wichtig wird. So bleibt genug Zeit für alle erforderlichen Vorbereitungen. Viele Informationen zum Thema Schwangerschaft und Medikation bietet übrigens auch embryotox.de, ein Angebot der Charité – Universitätsmedizin Berlin.
Besprich rechtzeitig mit deinem Arzt, was du tun sollst, falls ein Notfall eintreten sollte. Gibt es eine Notfall- oder Telefon-Sprechstunde? Wie kannst du am besten Kontakt aufnehmen – per E-Mail oder per Telefon? Häufig können auf diesem Weg Probleme bereits geklärt werden, falls kurzfristig kein Termin frei ist. Frag nach, was du bei einem Schub eventuell selbst tun kannst – zum Beispiel leichte Bewegung, veränderte Ernährung oder Stressreduktion. Das kann manchmal zumindest bis zum nächsten Termin weiterhelfen.
Das A und O ist es, nachzufragen, wenn du etwas nicht verstanden hast oder etwas wissen willst. Es geht um deinen Körper und deine Zukunft! Du musst genau verstehen, was passiert. Dein Arzt erklärt dir mit Sicherheit gerne noch einmal, wie dein Medikament wirkt oder warum du deine Medikamente nie im Alleingang absetzen solltest. Denk daran, konkrete Nachfragen zu stellen. Nimm dir ruhig einen Stift mit, um zusätzliche Fragen während des Gesprächs auf deinem Notizzettel zu notieren.
Sei entspannt – du hast alle Unterlagen und Notizen zusammen und bist ausreichend gut vorbereitet. Falls du dir sehr viele Themen notiert hast, überleg dir besser, ob die Zeit für alles reicht. Was davon MUSS in diesem Arzttermin besprochen werden? Was KANN besprochen werden? Wenn du sehr nervös bist, such dir etwas, das dich im Gespräch beruhigen kann – zum Beispiel ein positives Bild, das du dir vorstellst.
Formuliere so klar wie möglich, welche Bedürfnisse du hast. Halte dich kurz und versuche trotzdem, alles zu sagen. Mir geht es gut oder nicht so gut, ist medizinisch betrachtet eine sehr unklare Aussage. Benenne, welchen Gelenken es gerade gut geht, welche dir Schmerzen bereiten und was sonst noch passiert ist. Versuche, dich offen mitzuteilen und überlege dir ruhig vorher immer: WAS möchte ich mitteilen? (Schmerzen beim Gehen) WOZU möchte ich es mitteilen (Untersuchung des Fußes und entsprechende Behandlung). Nicht zu vergessen ist auch das WIE. Sei selbstbewusst und offen und geh mit deinem Gegenüber stets so um, wie du es dir auch umgekehrt wünschst.
Manchmal läuft der erste Termin noch nicht optimal. Dann denk daran, dass Ärzte auch einmal einen schlechten Tag haben können – genau wie jeder von uns. Sie sind schließlich auch nur Menschen. Beim nächsten Besuch klappt es bestimmt schon besser.
Zum Abschluss kommen hier noch fünf Tipps, die uns in dieser Situation besonders gut geholfen haben.
  • 1.
    Selbstbewusst sein.
    Sprich mit deinem Arzt auf Augenhöhe. Ihr seid gleichberechtigte Gesprächspartner. Nur wenn ihr gut zusammenarbeitet, funktioniert die Therapie.
  • 2.
    Klartext reden.
    Sprich offen aus, wie du dich fühlst. Zum Beispiel, wenn du Angst hast oder dich etwas verunsichert. Weise auch darauf hin, wenn du dich in einer Gesprächssituation unwohl fühlst.
  • 3.
    Konkrete Beispiele nutzen.
    Verwende deine Notizen, um zu beschreiben, wie es dir geht. Oder um zu verdeutlichen, was bei der Therapie nicht gut läuft.
  • 4.
    Nicht entmutigen lassen.
    Bleib hartnäckig und frag nach, wenn etwas unklar geblieben ist. Es geht um deine Gesundheit.
  • 5.
    Grenzen ziehen.
    Falls das Verhältnis zu einem Arzt dauerhaft schwierig ist, musst du nicht bleiben. Du hast die Wahl – du kannst jederzeit wechseln!
Wenn du noch mehr darüber erfahren möchtest, wie man schwierige Gespräche führt, schau dir mal den nächsten Abschnitt über unsere Kommunikationstrainings an!

Kommunikationstrainings - Webinare

Steht der erste Termin beim Erwachsenenrheumatologen an? Oder ist der erste Termin nicht so gut gelaufen? Wir bieten für euch demnächst wieder mehrere Online-Kommunikationstrainings an. Nach dem Training wisst ihr zum Beispiel, wie ihr eurem Arzt eure Anliegen besser mitteilt.

Lernt von Fachleuten und anderen Betroffenen!

Wie bieten 3 Online-Kommunikations-Trainings an, jeweils von 11 bis 14 Uhr. Wählt aus:

Hier geht es direkt zum Flyer und zur Anmeldung.Mehr Infos zum Training? Hier eine kleine Programmübersicht oder fragt nach bei mayer@rheuma-liga.de

 

Bitte schau auch auf unsere Checkliste „Arztbesuch“. Sie hilft dir bei der Vorbereitung.

Ist es sinnvoll den Wechsel vom Kinderrheumatologen zum Erwachsenenrheumatologen weiter zu verschieben?

Transition-Camp

Achtung - Absage: Camp für Jugendliche: „Was ändert sich beim Erwachsenen-Rheumatologen?“

Leider müssen wir das Camp -  ursprünglicher Termin 11. bis 13. September 2020 -  in diesem Jahr absagen. Nächstes Jahr möchten wir es wieder anbieten!